Fährtenausbildung

Teil 1 – Grundlagen, Junghundaufbau,

Abgangssuche, Dreieckssuche und

die erste Fährte

Von Melanie Krüger

und Bernd Föry

 

Diese Art der Fährtenausbildung ist nur eine von vielen Möglichkeiten, einem Hund die

erfolgreiche Fährtenarbeit zu lehren. Unser Ansatz ist, Hund und Hundeführer die Fährtenarbeit

auf einfache und verständliche Weise nahezubringen und den Spaß an der gemeinsamen 

Beschäftigung zu fördern. Mit Beginn der Ausbildung orientieren wir uns an den Anforderungen der Prüfungsordnung.

 

Ziel unserer Ausbildung

Das Ziel unserer Ausbildung ist der selbstsicher und selbstständig arbeitende Fährtenhund, der die

Fährte zwar ruhig, aber dennoch intensiv, freudig, mit angemessenem Tempo, exakt und drangvoll

ausarbeiten will. Wir haben für unsere Fährtenarbeit einige grundsätzliche Dinge festgelegt, die 

helfen, dieses Ziel zu erreichen: Bereits mit Beginn der Ausbildung achten wir darauf, dass

unsere Hunde ein gewisses Maß an Gehorsam und Selbstbeherrschung lernen – auch wenn die

Fährtenausbildung schon im Welpenalter begonnen wird!  Zum Beispiel: Warten am Abgang (im Stehen oder  Sitzen), bis das Hörzeichen „Such“ kommt, am Ende der Fährte ein paar Schritte Futter-Fußlaufen, Festhalten,  wenn  der  Hund die Fährte verlässt, bis  zum  erneuten Ansetzen ruhig am Gegenstand liegen bleiben. Wenn wir diese Punkte schon beim jungen Hund exakt beachten, verlangen wir bereits genug Gehorsam für eine Prüfungsfährte. Körperlicher Zwang muss dann nicht angewendet werden. Auf diese Art und Weise haben wir schon viele Hunde ausgebildet und erfolgreich bis auf nationale und internationale Ebene geführt.

 

Grundstimmung

Die Grundstimmung beim Fährten sollte sowohl beim Hund als auch beim Hundeführer ruhig,

ausgeglichen und konzentriert sein. Unter Zeitdruck geht man nicht Fährten! Hektik und Stress

beeinträchtigen das Lernverhalten negativ und führen nicht zum gewünschten

Resultat: dem selbstsicher und selbstständig arbeitenden Fährtenhund.

 

Motivationsobjekt

Wir  arbeiten  überwiegend mit Bestätigung durch Futter. Dabei verwenden wir von Beginn an

ausschließlich Trockenfutter. Unsere Versuche mit zahlreichen Trockenfuttern  haben  ergeben,

dass „Dog Chow“ am besten geeignet ist. Die Vorteile sind: es ist fast geruchsneutral, im Acker und in

der Wiese ist es kaum sichtbar, es ist auch bei feuchter Witterung gut einsetzbar, da es kaum aufweicht, es wird von den meisten Hunden gut angenommen, das Futter lässt sich sehr gut zerbrechen, im  Gegensatz zu rundem Futter können die Hunde das Futter durch die kantige Form gut aufnehmen, auch wenn es in den Boden gedrückt wurde. Bei der Verwendung von anderen Futterarten (Wurst, Käse …) haben wir diverse Nachteile bemerkt: sehr intensiver Geruch, der Hund lernt nur  schwer einen Zusammenhang mit dem eigentlichen Fährtengeruch, da der Eigengeruch des Futters sehr stark ist und den Geruch der Bodenverletzung in einem weiten Umfeld überdeckt, der  Hund  entwickelt in der Regel ein unerwünschtes Suchverhalten, das eher dem Stöbern gleich kommt, sie  wirken sehr anziehend auf Insekten, insbesondere Ameisen und Wespen.

 

Fährtenleine

Beim Welpen und Junghund verwenden wir eine etwa drei Meter lange, leichte Leine.

Ist die Leine zu kurz, kann es passieren, dass wir den Hund in seiner Sucharbeit durch ungewollte Spannung auf der Leine, zu dichtes Aufgehen auf den Hund usw. beeinträchtigen. Bei einer zu  langen Leine passiert es zu Beginn der Fährtenarbeit (bei der Abgangssuche) oft, dass Hund oder  Hundeführer sich darin verwickeln. Erst wenn wir in der Ausbildung zur Prüfungsvorbereitung übergehen, verwenden wir die Zehn Meter-Leine. Die Leine befestigen wir direkt am Halsband. Wir führen sie in der Regel durch die Vorderbeine und seitlich an den Hinterbeinen des Hundes  vorbei.  So kann der Hundeführer seitlich vom Hund laufen und die Sucharbeit beobachten, ohne dass der Hund bei der Arbeit gestört wird. Zudem haben wir über die Leine am Halsband eine direkte Verbindung zum Hund.

 

Eigen-/Fremdfährte

Erfahrungsgemäß machen Hunde keinen Unterschied zwischen Eigen- und Fremdfährten, wenn wir  im Training einige Dinge berücksichtigen. Wir achten im Aufbau und im weiteren Training darauf, dass  wir immer unterschiedliche Arten von Fährten legen, d. h. einmal treten wir sehr stark auf, im  nächsten Training weniger stark, Einmal machen wir große Schritte, dann wieder kleinere, einmal sind unsere Fußabdrücke stark versetzt, dann wieder schmal, einmal sind die Winkel direkt am Geländewechsel, dann wieder mitten im Gelände, einmal ist die Fußstellung ein-, dann wieder ausgedreht. Der Hund darf auf keinen Fall ein Schema erkennen können! Wenn wir uns dieser Problematik nicht bewusst sind, neigen wir dazu, immer wieder Ähnliches oder Gleiches zu tun. Beispiel: Ein Rechtshändler neigt dazu, verstärkt Rechtswinkel zu legen. Infolge kann es passieren, dass der Hund bei einem Linkswinkel Schwierigkeiten bekommt. Dieses Problem erkennen wir aber oft erst dann, wenn wir den Hund eine Fremdfährte ausarbeiten lassen. Die eigentliche Ursache ist aber nicht, dass linke Winkel für den Hund schwieriger sind, sondern vielmehr, dass er im Training gelernt hat, dass ein Richtungswechsel z. B. in acht von zehn Fällen nach rechte geht. Oft beobachten wir auch, dass viele Hundeführer das Ende ihrer Fährte in der Nähe des Anfangs machen.

Das führt dazu, dass viele Hunde schneller werden, sobald sie Richtung Fährtenanfang suchen. Darum

machen wir uns ganz bewusst – bevor wir eine Fährte legen – Gedanken darüber, wie die Fährte aussehen soll und was wir in dieser besonders trainieren wollen. Insbesondere im Aufbau ist es wichtig, dass wir die Anforderungen der Fährte sowie Häufigkeit und Platzierung des Futters an den Fähigkeiten des Hundes orientieren. Dafür müssen wir den Hund kennen. Ein fremder Fährtenleger ist dazu nur schwer in der Lage. Wir trainieren daher Fremdfährten nicht gezielt, sondern nur gelegentlich zur Kontrolle.


einspurig
Eine „einspurige“ Fährte.

Schrittfolge beim Legen der Fährte.

Am Anfang der Junghundausbildung legen wir die Fährten immer so, dass ein Schritt direkt auf den anderen folgt ohne Zwischenraum und seitlich nicht versetzt. Wir nennen dies „einspurig“. Im Verlauf der weiteren Ausbildung, gehen wir dazu über, zwischen den einzelnen Schritten etwas Raum zu lassen, bleiben aber noch „einspurig“, d.h. seitlich immer noch nicht versetzt.


„Einspurig“ mit Abstand.
„Einspurig“ mit Abstand.

Die Länge der Schritte dehnen wir im Verlauf mehrerer Fährten aus, bis wir die normale Schrittlänge erreicht haben. Erst dann beginnen wir, die Schritte nicht mehr “einspurig“, sondern seitlich versetzt zu legen. Das nennen wir „zweispurig“

„Zweispurig“
„Zweispurig“

Mit dieser Vorgehensweise erleichtern wir dem Hund das Erlernen des gewünschten Suchverhaltens; Bei der einspurigen Fährte gelangt er unmittelbar von einem Schritt zum nächsten. Über die Erfahrung lernt er, die Zwischenräume zu überbrücken und sicher im Fährtenverlauf zu bleiben Werden die Schritte jetzt “zweispurig“ gesetzt, unterbricht das den Fluss der Sucharbeit nicht, und der Hund ist immer in der Lage, jeden Schritt abzusuchen. Fangen wir bereits bei noch kleinen Zwischenräumen an, „zweispurig“ zu legen, verhindern wir eine flüssige Sucharbeit, da der Hund gezwungen ist, permanent rechts/links/rechts zu suchen. Zudem kann es passieren, dass der Hund nur noch die linken oder rechten Schritte absucht. Beginnen wir mit versetzten Schritten, nehmen vor allem Welpen und sehr junge Hunde erfahrungsgemäß den Kopf hoch und versuchen, den nächsten Schritt zu er stöbern oder mit den Augen zu erspähen.    

 

Fährte verlassen

Im Training kommt es gelegentlich vor, dass der Hund die Fährte verlässt. Wir wirken dann aber im Gegensatz zu vielen anderen Methoden nicht auf den Hund ein. Stattdessen bleiben wir stehen und halten den Hund mit der Leine fest, sodass er nicht weiter als etwa 30 Zentimeter von der Fährte abweichen kann. Wir warten, bis er sich selbstständig wieder auf die Fährte zurückarbeitet, und loben ihn dann. Um die ruhige Sucharbeit nicht zu stören, soll das Loben ruhig und nicht zu überschwänglich erfolgen. So bringen wir unseren Hunden bei, dass sie, falls sie später einmal von der Fährte abkommen, sich selbst korrigieren und auch selbst wieder auf die Fährte zurückkommen wollen. Bei den allermeisten Hunden, die wir so ausgebildet haben, sieht es dann folgendermaßen aus: Spur verlassen, stehen bleiben, unmittelbares Umfeld absuchen, Schritt zurück usw., bis sie wieder auf der Fährte sind. Hunde, die nach Verlassen der Fährte harte Einwirkung bekommen haben, reagieren nach unseren Beobachtungen oft mit Hektik und Angst, wenn sie die Fährte verlieren. Meist sind sie dann nicht mehr in der Lage, ohne größere Hilfe wieder auf die Fährte zurückzukommen. Unser Ziel ist, dass der Hund sich auf der Fährte wohl und neben der Fährte unwohl fühlt – aber weder Angst noch Panik aufkommen. Ein so ausgebildeter Hund wird von sich aus immer das Bestreben haben, die Fährte zu halten, und es möglichst vermeiden, die Fährte, die für ihn positiv und angenehm ist, zu verlassen.

 

Junghundaufbau

Mit der Ausarbeitung beim Fährten beginnen wir nach der Eingewöhnungsphase beim neuen Besitzer – beim Welpen im Alter von etwa 15 Wochen. Der Hund sollte sich in seiner neuen Umgebung auskennen und wohlfühlen. Nur dann ist er in der Lage, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren, und wird nicht unnötig abgelenkt. Wenn wir mit der Abgangssuche beginnen, trainieren wir dies täglich, und zwar mindestens einmal. Unterbrochen wird das Training eigentlich nur in der Zeit des Zahnwechsels. Dann haben junge Hunde oft große Schmerzen im Fang und meist auch etwas Fieber. Erfahrungsgemäß passiert es dann, dass die Hunde drei, vier Futterstückchen aufnehmen und danach, weil sie eben Schmerzen haben, das Futter meiden. Unser Aufbau ist immer gleich, egal ob wir mit einem Welpen oder älteren Hund anfangen. Idealerweise beginnen wir im Welpenalter: Ein Welpe ist eher bereit, für sein Futter zu arbeiten als ein älterer Hund. Ein älterer Hund hat sein Fressen meist schon lange Zeit recht einfach aus der Hand oder einer Schüssel bekommen und nicht gelernt, für sein Futter zu arbeiten. Wir gehen mit unserm Welpen von Anfang an möglichst auf unterschiedliches Gelände, um zu vermeiden, dass der Hund sich z. B. auf Wiese wohler fühlt als auf Acker.

 

Abgangssuche

Die ersten Vorbereitungen zur Fährte darf der Welpe beobachten. Hierfür hält eine zweite Person den Hund an der Leine fest, wirkt aber nicht auf ihn ein, wenn er zu seinem Hundeführer will, zieht und eventuell bellt. Wir entfernen uns drei, vier Schritte vom Hund und legen ein Quadrat in der Größe von etwa 40 mal 40 Zentimeter abhängig von der Triebveranlagung und Größe des Hundes eventuell auch größer.


Das Fährtenquadrat
Das Fährtenquadrat

Das Fährtenquadrat

Bodenverletzung soll nur am Abgang selbst sein, der Bereich darum soll neutral riechen. Daher sollte der Bereich um das Quadrat nicht vom Hundeführer betreten werden, d.h., man macht einen großen Schritt in das Quadrat und verlässt es wieder mit einem großen Schritt. Auf dem Quadrat verteilen wir anfangs lose kleine Stückchen Trockenfutter. Wir achten darauf, dass überall etwas Futter ausliegt und nicht nur in der Mitte oder Rand. Im Verlauf des Trainings versuchen wir, das Trockenfutter baldmöglichst in den Boden zu drücken. Dadurch lernen die Hunde dass sie, je ruhiger sie werden, umso einfacher an das Futter kommen. Wir achten dabei aber darauf, dass es immer nur so tief in den Boden gedrückt wird, dass der Hund es noch aufnehmen kann. In aller Regel treten wir es beim Abgang legen mit ein. Nach dem Legen gehen wir direkt zum Hund. Haben wir einen trieblich normal bis hoch veranlagten Hund, führen wir ihn mit einem Futterstückchen in der Hand bis kurz vor den Abgang und verlangen eine Grundstellung.


Futter zum Abgang
Futter zum Abgang

Hier bekommt der Hund das Futter aus der Hand. Damit erreichen wir, dass wir den Hund ohne Einwirkung konzentriert und ruhig an den Abgang führen können. Sehr ruhige Hunde und auch Hunde, die schlecht fressen, lassen wir anfangs an der Leine an den Abgang ziehen, halten sie dort kurz zurück und legen als Hilfe deutlich ein Futterstückchen an den Rand des Abgangs. Wir warten dann, bis sie sich zwar noch auf den Abgang konzentrieren, aber nicht mehr ziehen, und lassen sie dann mit dem Hörzeichen „Such“ in den Abgang. Der Hund wird dann direkt das Futter fressen, welches er zuletzt gesehen hat. Da in den Abgang recht viel Futter liegt, wird er auch das andere Futter riechen und aufnehmen. Sobald wir den Hund zur Sucharbeit freigeben, ist die Leine locker. Bei jeder Futteraufnahme durch den Hund geben wir das Hörzeichen „Such“. So lernt der Hund von Anfang an, dass das Hörzeichen „Such“ positiv ist und nichts anderes bedeutet, als den Kopf herunterzunehmen und nach Futter zu suchen. Bevor der Hund alle Futterstückchen aufgenommen hat, nehmen wir ihn sanft aus dem Quadrat. Einen Welpen heben wir idealerweise aus dem Abgang heraus. Während des Suchens im Abgang streicheln wir dem Hund öfters ruhig über Hals und Rücken. So erreichen wir, dass der Hund nicht unruhig wird, wenn wir in seine Nähe kommen. Er weiß dann nie ob wir ihn streicheln oder herausnehmen wollen. Einen größeren Hund ziehen wir, während er gerade noch ein Futterstückchen aufnehmen will, langsam mit der Hand am Halsband aus dem Abgang heraus. Dabei soll der Hund weiterhin auf den Abgang fixiert sein und nicht einfach mit dem Hundeführer mitgehen. Wir vermeiden es, den Hund an der Leine herauszuziehen, damit der Hund im Verlauf der weiteren Ausbildung die Sucharbeit nicht beendet, sobald Zug auf die Leine kommt. Wir sollten dem Hund das Futter nie mit den Finger zeigen. Ansonsten kann er schnell lernen, dass wir ihm das Futter schon zeigen werden, wenn er aufhört zu suchen. Er soll die Sucharbeit mit dem Hörzeichen „Such“ und nicht mit einer Handbewegung verknüpfen. Bei manchen Hunden haben wir die Erfahrung gemacht, dass sie nach dem zweiten oder dritten Mal zwar sehr ruhig vor dem Abgang bleiben, aber sich nach dem Hörzeichen „Such“ nicht zum Abgang lösen wollen, da sie zu sehr auf den Hundeführer fixiert sind. In diesem Fall halten wir den Hund nach der Bestätigung aus der Hand am Halsband und legen dann ein Futterstückchen direkt vor den Hund an den Rand des Abgangs. Danach warten wir kurz, bis der Hund ruhig, aber konzentriert den Abgang anschaut, und geben ihn dann mit dem Hörzeichen „Such“ frei. In diesem Ausbildungsstadium legen wir immer mehrere Abgänge gleichzeitig nebeneinander, aber dennoch ausreichend weit voneinander entfernt, sodass keine geruchliche Beeinflussung  entstehen kann. Bei sehr hektischen Hunden können es bis zu fünf oder auch mehr Abgänge sein. Durch das Absuchen der Abgänge nacheinander erreichen wir, dass diese Hunde nach jedem Abgang sehr viel ruhiger und intensiver werden. Haben wir es mit eher ruhigen Hunden zu tun, legen wir in aller Regel nur einen Abgang und bringen den Hund nach dem Absuchen wieder weg. Dadurch erreichen wir, dass diese Hunde sich in aller Regel durch das Wegbringen neu motivieren. Normalerweise lassen wir den Hund nach etwa der fünften Trainingseinheit nicht mehr beim Abgang- Legen zuschauen, da der Hund dann schon eine Verknüpfung der Situation (Wiese, Fährtenschild, Fährtenleine ….) hat und das Zuschauen nicht mehr als Hilfe benötigt. Oftmals passiert es, dass sich der Hund ablenken lässt ( vorbeifahrende Autos,  Spaziergänger, andere Hunde  ….) und die Suche unterbricht. Wir gehen auf dieses Verhalten nicht ein, weder mit Hörzeichen noch mit Handhilfen. Wir warten einfach ab, bis der Hund die Ablenkung als langweilig empfindet. Erfahrungsgemäß wenden sich die Hunde bald wieder dem Futtersuchen zu. Oftmals ist Geduld und Abwarten das beste Mittel. Falls der Hund vom getretenen Abgang abkommt, halten wir ihn mit gespannter Leine nach etwa 30 Zentimeter fest, vermeiden dabei aber, ihn auf den Abgang zurückzuziehen. Auch hier haben wir festgestellt, dass die Hunde, wenn sie nicht weiter können, dahin zurückgehen, wo sie das letzte Futterstückchen aufgenommen haben. Ziel muss sein, dass der Hund ruhig, intensiv und ausdauernd versucht, jedes eingedrückte Futterstückchen zu finden und aufzunehmen. Haben wir dieses Ziel erreicht, ändern wir die Abgangsform von einem Quadrat in ein Dreieck.     

 

Dreieckssuche

Das Dreieck sorgt dafür, dass sich der Hund später in die richtige Richtung orientiert. Bei der Abgangssuche im Quadrat hat der Hund immer auch die Möglichkeit, sich zu drehen und das Futter direkt vor uns oder an der Seite aufzunehmen. Das Dreieck gibt die Richtung zur späteren Fährte vor. Wir setzen den Hund links oder rechts am Dreieck an und lassen ihn suchen, bis er an der Spitze angekommen ist. Erst dann nehmen wir ihn wie beschrieben heraus. In der Spitze sollte der Hund immer das meiste Futter finden. Nach der zweiten oder dritten Dreieckssuche wird sich nun von dem Ort, an dem wir ihn ansetzen, relativ leicht zur Spitze hin orientiert. Das ist der Trainingsstand, mit dem wir die erste „Fährte“ in Angriff nehmen.


Dreieckssuche
Dreieckssuche

Die erste Fährte

Ausgehend vom bekannten Dreieck, legen wir eine Spur mit direkt aneinandergrenzenden Fußtritten. Am Ende dieser Spur befindet sich wieder ein Dreieck. Die Länge beträgt etwa 20 bis 30 Schritte. Futter befindet sich in den Dreiecken und im jedem Schritt. Wichtig: Das Futter soll genauso  tief eingetreten werden wie bei den letzten Abgangssuchen.

Hierbei achten wir darauf, dass wir einspurig, d. h. Schritt für Schritt ohne Unterbrechung legen. Im Gegensatz zu vielen anderen Methoden legen wir keine Geraden, sondern immer Schlangenlinien. Der Hund soll von Anfang an lernen, dass es nach jedem Schritt in eine andere Richtung gehen kann. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Hund nach dem Absuchen mehrerer Geraden zum Schnellerwerden neigt. Auch ein spezielles Winkeltraining brauchen unsere Hunde nicht, da sie Richtungsänderungen bereits kennen. Wir setzen den Hund am Dreieck an und lassen ihn wie zuvor das Futter in aller Ruhe suchen und fressen. Er wird- wie gelernt- das Dreieck in Richtung Spitze absuchen. Dann wird er aber nicht herausgenommen, sondern wir lassen ihn weitersuchen, sodass er sich in die eigentliche Fährte hineinarbeitet. Er wird – da im jedem Schritt Futter ist- auch jeden Schritt absuchen und nicht hektisch werden. Im Enddreieck angekommen, lassen wir ihn noch einige Futterstückchen aufnehmen und nehmen ihn dann- bevor er alles gefressen hat- heraus. Da der Hund im Enddreieck nichts anderes (Besseres) findet als im Anfangsdreieck, hat er keine Veranlassung, zum Ende hin schneller zu werden. Dies alles soll ohne Hektik oder überhastete Bewegungen geschehen. Der Hund soll auf der Fährte jedes Futterstückchen aufnehmen! Oftmals hören wir, dass der Aufbau bis zur Dreieckssuche eigentlich jedem Hundeführer leichtfällt. Der eigentliche Knackpunkt ist dann die Suche der ersten Fährte! Viele Hundeführer haben das Problem, das die Hunde sehr viel Futter auf der Fährte liegen lassen und dadurch schneller werden. Sollte dies geschehen, nehmen wir für die eigentliche Fährte etwas größere Futterstückchen, drücken diese aber auch in den Boden. Wir zeigen dem Hund so, dass kurzes Anhalten und eventuelles Herauskratzen des Futters sich lohnen. Mit jedem Training verlängern wir die Fährte, bis wir eine Gesamtlänge von etwa 50 Schritten haben. Wenn der Hund sich auf dieser Länge um jedes Futterstückchen bemüht, mit konstanten Tempo und konzentriert die Fährte ausarbeitet, ohne sie zu verlassen, wird es Zeit, das Futter abzubauen.

 

Futterabbau

Der Futterabbau erfolgt schleichend, d. h., wir lassen in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder ein oder zwei Schritte ohne Futter, achten dabei aber genau darauf, dass sich kein Schema für den Hund erkennen lässt (z. B. Abgangsdreieck, drei Schritte mit Futter, einer ohne, danach sechs Schritte mit Futter, zwei ohne, vier mit, einer ohne, einer mit, etc.). Am Ende befindet sich immer ein Dreieck.


Die erste Fährte
Die erste Fährte
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